Was ist eine Anschlussfinanzierung?
Eine Anschlussfinanzierung ist das Darlehen, mit dem Sie die Restschuld Ihrer Baufinanzierung nach Ablauf der Sollzinsbindung weiterfinanzieren. Der Zins Ihres ersten Darlehens war nur für die vereinbarte Zinsbindung festgeschrieben, meist 10 oder 15 Jahre. Was danach noch offen ist, wird zu neuen Konditionen finanziert, und die legen Sie selbst fest: bei Ihrer bisherigen Bank oder bei einer anderen.
Wie groß die Restschuld ist, hängt von der anfänglichen Tilgung ab. Wer vor 10 Jahren 300.000 € mit 2 Prozent Tilgung aufgenommen hat, schuldet heute noch rund zwei Drittel davon. In dieser Größenordnung macht jedes Zehntelprozent Zins über 10 Jahre vierstellige Beträge aus. Den genauen Betrag finden Sie im Tilgungsplan Ihres Darlehensvertrags oder in der jährlichen Zins- und Saldenbestätigung Ihrer Bank.
Gegenüber der ersten Finanzierung haben Sie einen Vorteil: Die Immobilie ist seit Jahren abbezahlt worden und in vielen Regionen im Wert gestiegen. Der Beleihungsauslauf, also das Verhältnis von Darlehen zu Immobilienwert, ist deshalb niedriger als beim Kauf, und das bedeutet bei den meisten Banken eine bessere Zinsklasse. Wer 200.000 € Restschuld auf ein Haus mit 450.000 Euro Wert finanziert, liegt bei rund 44 Prozent Beleihung.
Aktuelle Zinsen für die Anschlussfinanzierung
Für die Anschlussfinanzierung gelten dieselben Konditionen wie für eine Immobilienfinanzierung beim Kauf: Bei 10 Jahren Zinsbindung liegt der gebundene Sollzins derzeit ab 3,42 %, bei 15 Jahren ab 3,58 % (Stand 17.09.2026). Eigene Anschlusszinsen gibt es nicht, wohl aber eigene Spielräume: Der niedrige Beleihungsauslauf und die nachgewiesene Zahlungshistorie sind Argumente, die bei der Bank zählen.
| Zinsbindung | Sollzins ab | Effektivzins ab | Rate bei 200.000 € und 3 % Tilgung |
| 5 Jahre | 3,31 % | 3,40 % | 1.052 € |
| 10 Jahre | 3,42 % | 3,51 % | 1.070 € |
| 15 Jahre | 3,58 % | 3,67 % | 1.097 € |
| 20 Jahre | 3,71 % | 3,80 % | 1.118 € |
Entscheidend ist der Vergleich mit Ihrem bisherigen Zins. Wer 2016 abgeschlossen hat, zahlt heute wahrscheinlich weniger, als die Anschlussfinanzierung kosten wird, und sollte die Rate entsprechend planen. Wer 2011 oder früher abgeschlossen hat, kann sich häufig verbessern. In beiden Fällen zeigt erst der Vergleich mehrerer Banken, ob das Hausbank-Angebot marktgerecht ist. Die aktuellen Werte je Zinsbindung finden Sie unter Bauzinsen.
Prolongation, Umschuldung oder Forward-Darlehen?
Drei Wege führen zur Anschlussfinanzierung: die Prolongation bei der bisherigen Bank, die Umschuldung zu einer anderen Bank und das Forward-Darlehen, das den Zins schon Jahre vor Ablauf festschreibt. Die Prolongation ist am bequemsten, die Umschuldung in der Regel am günstigsten, das Forward-Darlehen bringt Planungssicherheit.
| Variante | Wann sinnvoll | Aufwand | Kosten |
| Prolongation | Angebot der Hausbank ist marktgerecht, wenig Zeit bis Ablauf | Unterschrift unter das Verlängerungsangebot, keine neue Bonitätsprüfung im Regelfall | Keine Nebenkosten, aber oft höherer Zins als im Vergleich |
| Umschuldung | Zinsdifferenz zum Hausbank-Angebot ab etwa 0,1 bis 0,2 Prozentpunkten | Neuer Darlehensantrag mit Unterlagen, Grundschuldabtretung über Notar | Notar und Grundbuch in der Regel 0,2 bis 0,3 % der Grundschuld |
| Forward-Darlehen | 12 bis 60 Monate vor Ablauf, wenn Sie mit steigenden Zinsen rechnen | Wie Umschuldung oder Prolongation, je nach Bank | Forward-Aufschlag auf den Sollzins, üblich ca. 0,01 bis 0,03 Punkte je Monat Vorlauf |
Die Prolongation läuft so: Etwa 3 bis 6 Monate vor Ablauf schickt Ihnen die Bank ein Verlängerungsangebot mit neuem Zins und neuer Zinsbindung. Sie unterschreiben, fertig. Weil viele Kunden aus Bequemlichkeit annehmen, liegt das erste Angebot bei vielen Instituten über dem, was sie einem Neukunden bieten würden. Ein Gegenangebot einer anderen Bank ist das beste Argument für eine Nachbesserung.
Die Umschuldung ist ein neuer Darlehensvertrag bei einer anderen Bank. Sie löst die Restschuld zum Ende der Zinsbindung ab, eine Vorfälligkeitsentschädigung fällt nicht an. Die Grundschuld wird nicht gelöscht und neu eingetragen, sondern abgetreten. Wie der Wechsel abläuft und was er während der Zinsbindung kosten würde, lesen Sie unter Umschuldung.
Forward-Darlehen: Zins im Voraus sichern
Ein Forward-Darlehen ist eine Anschlussfinanzierung mit Vorlaufzeit: Sie schließen den Vertrag heute ab, die Auszahlung erfolgt erst zum Ende Ihrer aktuellen Zinsbindung, bis zu 60 Monate später. Der Sollzins steht ab Vertragsschluss fest. Damit wissen Sie Jahre im Voraus, welche Rate Sie ab dem Ablauf zahlen, unabhängig davon, wie sich der Markt bis dahin entwickelt.
Den Preis dafür nennt die Bank Forward-Aufschlag. Er wird auf den aktuellen Sollzins aufgeschlagen und wächst mit der Vorlaufzeit. Üblich sind etwa 0,01 bis 0,03 Prozentpunkte je Monat, viele Banken verzichten in den ersten 6 bis 12 Monaten ganz darauf. Bei 24 Monaten Vorlauf und 0,02 Punkten je Monat ergibt das 0,48 Prozentpunkte: Aus 3,42 % werden 3,90 %, die Rate für 200.000 € steigt von 1.070 € auf 1.150 € im Monat, die Zinskosten in 10 Jahren um 7.779 €.
Wann sich der Aufschlag lohnt
Das Forward-Darlehen ist eine Versicherung gegen steigende Zinsen, keine Wette auf sinkende. Steigt der Zins bis zum Ablauf um einen Prozentpunkt, kostet die Anschlussfinanzierung von 200.000 € über 10 Jahre 16.138 € mehr an Zinsen, ein Vielfaches des Aufschlags. Fällt der Zins dagegen, sind Sie an das Forward-Darlehen gebunden und zahlen den vereinbarten Satz. Eine Nichtabnahme ist zwar möglich, aber mit einer Nichtabnahmeentschädigung verbunden, die schnell mehrere tausend Euro erreicht.
Sinnvoll ist das Forward-Darlehen deshalb vor allem, wenn Sie die Rate ab Ablauf sicher kalkulieren müssen, etwa wegen Rentenbeginn oder einem zweiten Kredit. Wer den Aufschlag scheut, wartet bis etwa 12 Monate vor Ablauf: Dann gibt es bei vielen Banken Anschlussdarlehen ohne oder mit geringem Aufschlag.
Zinsen für die Anschlussfinanzierung sichernHolen Sie ab 3 Jahren vor Ablauf etwa halbjährlich ein Forward-Angebot ein. So sehen Sie, wie sich Zins und Aufschlag entwickeln, und schließen ab, wenn beides zusammen unter Ihrer Schmerzgrenze liegt. Der Konditionsrechner zeigt die Angebote mehrerer Banken für Ihre Restschuld nebeneinander.
Zeitplan: wann Sie was erledigen sollten
Die Anschlussfinanzierung beginnt 5 Jahre vor Ablauf der Zinsbindung und endet etwa 6 Monate davor. Dazwischen liegen drei Phasen: beobachten, vergleichen, abschließen. Je früher Sie starten, desto mehr Varianten stehen offen.
- 5 bis 3 Jahre vor Ablauf: beobachten. Notieren Sie das Ablaufdatum und Ihre Restschuld zu diesem Zeitpunkt aus dem Tilgungsplan. Ab jetzt ist ein Forward-Darlehen möglich, in dieser Phase aber mit dem höchsten Aufschlag. Prüfen Sie, ob Sondertilgungen die Restschuld senken können.
- 3 Jahre bis 12 Monate vor Ablauf: vergleichen. Der Aufschlag für Forward-Darlehen sinkt, die Auswahl an Banken ist am größten. Holen Sie Angebote ein und rechnen Sie mit dem Tilgungsrechner durch, welche Tilgung Sie ab Ablauf leisten wollen. Klären Sie, ob Sie das Darlehen erhöhen möchten, etwa für eine Modernisierung.
- 12 bis 6 Monate vor Ablauf: abschließen. Jetzt gibt es Anschlussdarlehen meist ohne Forward-Aufschlag. Das Hausbank-Angebot kommt in der Regel in diesem Zeitfenster. Legen Sie es neben die Vergleichsangebote und entscheiden Sie. Für die Umschuldung brauchen Notar und Grundbuchamt einige Wochen, planen Sie das ein.
- Unter 6 Monate: nur noch Prolongation oder Eile. Ein Bankwechsel ist noch möglich, wird aber knapp. Wer nichts unternimmt, rutscht bei den meisten Banken in einen variablen Zins, der jederzeit angepasst werden kann und meist über dem Festzins liegt.
Sonderkündigungsrecht nach 10 Jahren
Läuft Ihre Zinsbindung 15 oder 20 Jahre, sind Sie trotzdem nicht so lange gebunden. Nach § 489 BGB können Sie ein Immobiliendarlehen 10 Jahre nach vollständiger Auszahlung mit 6 Monaten Frist kündigen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Liegt Ihr Vertragszins über dem heutigen Niveau, ist die Anschlussfinanzierung damit schon ab dem zehnten Jahr möglich. Die Frist läuft ab dem Tag des vollständigen Empfangs des Darlehens, nicht ab Vertragsunterschrift. Bei Neubauten mit Auszahlung in Raten zählt die letzte Rate.
KfW-Darlehen anschlussfinanzieren
Auch KfW-Darlehen haben eine Zinsbindung, meist 5 oder 10 Jahre, und laufen danach aus. Die KfW selbst bietet keine Anschlussfinanzierung an. Die Restschuld aus dem KfW-Darlehen muss deshalb bei einer Bank anschlussfinanziert werden, entweder als eigenes Darlehen oder zusammengefasst mit der Restschuld der Hauptfinanzierung. Letzteres ist meist einfacher, weil nur ein Vertrag und eine Grundschuld zu verwalten sind. Förderprogramme und Konditionen der KfW ändern sich, prüfen Sie den aktuellen Stand vor einem Antrag.
Was kostet die Umschuldung?
Ein Bankwechsel zum Ende der Zinsbindung kostet in der Regel nur die Grundschuldabtretung: Notar und Grundbuchamt berechnen dafür zusammen etwa 0,2 bis 0,3 Prozent der Grundschuldsumme. Bei einer Grundschuld über 250.000 € sind das rund 500 € bis 750 €. Eine Vorfälligkeitsentschädigung fällt nicht an, weil das alte Darlehen regulär endet.
Die Abtretung ist deutlich günstiger als die Alternative, die Grundschuld zu löschen und für die neue Bank neu einzutragen. Beides zusammen würde nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) ein Vielfaches kosten. Fast alle Banken akzeptieren die Abtretung. Manche übernehmen die Abtretungskosten bei einer Umschuldung ganz oder teilweise, fragen Sie danach.
Ob sich der Wechsel rechnet, ist schnell ausgerechnet: Bei 200.000 € Restschuld spart jedes Zehntelprozent Zins im ersten Jahr rund 200 €. Schon bei 0,1 Prozentpunkten Differenz sind die Abtretungskosten nach 2 bis 3 Jahren eingespielt, bei 0,4 Prozentpunkten innerhalb des ersten Jahres. Daneben kann die neue Bank eine Objektbewertung verlangen, meist nur bei größeren Beträgen.
Darlehen bei der Anschlussfinanzierung erhöhenWer gleichzeitig modernisieren will, kann die Restschuld um den Modernisierungsbetrag aufstocken. Bei vielen Banken ist das bis zur Höhe der eingetragenen Grundschuld ohne Notar möglich. Welche Konditionen dafür gelten, steht unter Modernisierungskredit.
Rechenbeispiel: Hausbank gegen Vergleichsangebot
Angenommen, Ihre Restschuld beträgt 200.000 €, Sie wollen 3 Prozent tilgen und 10 Jahre Zinsbindung. Die Hausbank bietet 3,82 %, ein Vergleichsangebot 3,42 %. Die Differenz von 0,4 Prozentpunkten wirkt klein, macht über 10 Jahre bei gleicher Monatsrate aber 8.009 € an Zinskosten aus. Die Tabelle unten zeigt beide Angebote nebeneinander.
Sie haben zwei Möglichkeiten, die Ersparnis zu nutzen. Entweder Sie senken die Rate: Bei 3 Prozent Tilgung kostet das Vergleichsangebot 1.070 € im Monat statt 1.137 €. Oder Sie zahlen die Rate der Hausbank beim günstigeren Zins weiter, tilgen damit 3,40 statt 3 Prozent und haben nach 10 Jahren 119.061 € Restschuld statt 127.070 €. Die zweite Variante ist meist die bessere, weil sie die nächste Anschlussfinanzierung kleiner macht.
Monatsrate = Restschuld × (Sollzins + anfängliche Tilgung) ÷ 12
Für das Vergleichsangebot: 200.000 € × 6,42 % ÷ 12 = 1.070 €. Bei gleichbleibendem Zins wäre die Restschuld nach 22 Jahre, 4 Monate getilgt. Tragen Sie im Rechner oben Ihre Restschuld und das Hausbank-Angebot ein, um beide Varianten für Ihren Fall zu sehen. Die Zinsdifferenz im Beispiel ist eine Annahme, in der Praxis liegt der Abstand zum besten Marktangebot mal darunter, mal deutlich darüber.
Unterlagen, Ablauf und Ablehnung
Für die Anschlussfinanzierung bei einer neuen Bank brauchen Sie im Wesentlichen dieselben Unterlagen wie beim Kauf, nur mit aktuellen Werten. Die Prolongation bei der Hausbank kommt in der Regel ohne neue Nachweise aus, weil die Bank Ihre Zahlungshistorie kennt.
- Zum Darlehen: aktueller Darlehensvertrag, letzte Zins- und Saldenbestätigung mit Restschuld, Ablaufdatum der Zinsbindung.
- Zur Immobilie: Grundbuchauszug (nicht älter als 3 Monate), Grundschuldbestellungsurkunde, Wohnflächenberechnung, Fotos, bei Modernisierungen Nachweise über durchgeführte Arbeiten.
- Zur Person: Gehaltsabrechnungen der letzten 3 Monate, Einkommensteuerbescheid, Ausweiskopie, Selbstauskunft. Selbstständige reichen Bilanzen oder Einnahmen-Überschuss-Rechnungen der letzten 2 bis 3 Jahre ein, mehr dazu unter Baufinanzierung für Selbstständige.
Der Ablauf: Angebote vergleichen, Antrag bei der gewählten Bank stellen, Zusage abwarten, Abtretung der Grundschuld beim Notar beauftragen. Die neue Bank zahlt die Restschuld zum Ablauftermin direkt an die alte Bank aus. Sie selbst zahlen ab dem Folgemonat die neue Rate. Der ganze Vorgang dauert in der Regel 4 bis 8 Wochen.
Anschlussfinanzierung abgelehnt: was jetzt?
Eine Ablehnung ist bei der Anschlussfinanzierung seltener als beim Kauf, denn die Bank sieht Jahre pünktlicher Zahlungen und eine gesunkene Beleihung. Kommt sie trotzdem, liegt es meist an einer veränderten Situation: Rentenbeginn, gesunkenes Einkommen, Trennung, negative Schufa-Einträge oder Rückstände im laufenden Darlehen. Auch die Hausbank kann eine Prolongation ablehnen, verpflichtet ist sie dazu nicht.
Was dann hilft: erstens der Vergleich, weil Banken unterschiedlich prüfen und eine Ablehnung bei Bank A keine Aussage über Bank B ist. Zweitens eine höhere Tilgung oder eine Teilrückzahlung aus Eigenmitteln. Drittens ein zweiter Darlehensnehmer, etwa Ehepartner oder erwachsenes Kind. Bei Rentnern zählt, dass die Rate aus der Rente tragbar ist und die Laufzeit ins Raster der Bank passt. Ein Finanzierungsspezialist klärt das vor dem Antrag mit der Bank, statt eine zweite Ablehnung zu riskieren. Über die Anfrage erreichen Sie ihn kostenlos und unverbindlich.