Lexikon

Vergleichs­wert­verfahren: der Markt als Maßstab.

Das Vergleichswertverfahren leitet den Wert aus tatsächlichen Kaufpreisen ähnlicher Immobilien ab. Abweichungen bei Lage, Größe oder Zustand gleicht der Gutachter mit Zu- und Abschlägen aus. Im Beispiel unten ergeben fünf angepasste Verkäufe für eine Wohnung mit 75 m² einen Vergleichswert von 313.900 €.

Redaktion Eigenheim-Finanzierung.de, verantwortlich: Christoffer Riefenstahl, Vorstand Aktualisiert 13.10.2026
Auf einen Blick

Woher die Vergleichspreise kommen.

Aus der Kaufpreissammlung des Gutachterausschusses. Die beurkundende Stelle schickt jeden Grundstückskaufvertrag als Abschrift dorthin (§ 195 Abs. 1 BauGB). Angebotspreise aus Portalen zählen nicht: Die Verordnung verlangt Kaufpreise (§ 25 ImmoWertV).

§§ 24–26 ImmoWertV Grundlagen, Vergleichspreise und angepasster Vergleichsfaktor oder Bodenrichtwert.
2 Wege zum vorläufigen Wert Statistische Auswertung von Vergleichspreisen oder Vergleichsfaktor mal Bezugsgröße (§ 24 Abs. 2).
≥ 5 Objekte für die Bank Bei Einfamilienhäusern darf sich die Pfandbriefbank nur am Vergleichswert orientieren, wenn mindestens fünf aktuelle Vergleichspreise vorliegen (§ 4 Abs. 2 BelWertV).
Stichtag zeitnah verkauft Vergleichsverkäufe müssen in hinreichender zeitlicher Nähe zum Wertermittlungsstichtag liegen (§ 25).
Rechenbeispiel

Fünf Verkäufe, ein Quadratmeterpreis.

Bewertet wird eine Eigentumswohnung mit 75 m². Fünf Wohnungen derselben Lage wurden kürzlich verkauft. Jeder Kaufpreis wird in Euro je m² umgerechnet und für Unterschiede zum Bewertungsobjekt angepasst (§ 9 Abs. 1 ImmoWertV).

VerkaufWohnflächeKaufpreis€ je m²Anpassungangepasst je m²
A: kleinere Loggia, älteres Bad72 m²302.400 €4.200 €+3 %4.326 €
B: Aufzug im Haus80 m²344.000 €4.300 €−2 %4.214 €
C: frisch saniert68 m²299.200 €4.400 €−4 %4.224 €
D: Erdgeschoss, laute Straße77 m²315.700 €4.100 €+4 %4.264 €
E: weitgehend gleich74 m²318.200 €4.300 €±0 %4.300 €
Mittelwert75 m² bewertet4.260 €4.266 €

Mittelwert angepasst × Wohnfläche: 4.266 € × 75 m² = 319.900 € vorläufiger Vergleichswert (gerundet). Alle Kaufpreise und Anpassungen sind Annahmen; im Gutachten stammen sie aus der Kaufpreissammlung und werden mit Indexreihen und Umrechnungskoeffizienten des Gutachterausschusses angepasst.

Vom Preis zum Wert

Zwei Wege, ein Vergleichswert.

Fehlen genug eigene Vergleichsverkäufe, nimmt der Gutachter den Vergleichsfaktor des Gutachterausschusses. Am Ende kommen die Besonderheiten des Objekts dazu.

§ 24 Abs. 2 Nr. 1Vergleichspreise 319.900 € vorläufiger Vergleichswert
Verkäufe
5
Mittel angepasst
4.266 €/m²
§ 24 Abs. 2 Nr. 2Vergleichsfaktor 317.500 € zur Kontrolle
Gebäudefaktor, Annahme
4.150 €/m²
Umrechnung Wohnfläche
× 1,02
§ 24 Abs. 4Vergleichswert 313.900 € nach besonderen Merkmalen
Bauschaden, Annahme
− 6.000 €
Basis
Weg 1

Vergleichsfaktoren sind durchschnittliche Werte je Bezugseinheit für Normobjekte (§ 20 ImmoWertV), etwa Euro je m² Wohnfläche. Besondere Merkmale wie Bauschäden werden erst am Ende berücksichtigt (§ 8 Abs. 3 ImmoWertV). Faktor, Umrechnung und Abschlag sind Annahmen.

Vergleichbarkeit

Was übereinstimmen muss.

Vergleichsgrundstücke müssen mit dem Bewertungsobjekt hinreichend übereinstimmen (§ 25 ImmoWertV). Welche Merkmale zählen, listet § 2 Abs. 3. Haken Sie ab, was Sie über Ihr Objekt schon wissen.

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Grundstück
Gebäude
Verkauf
Unterlagen für die Bank

Grundlagen: § 2 Abs. 3, § 5, § 9 und § 25 ImmoWertV.

Grenzen

Wenn Vergleichs­preise fehlen. Die Alternativen.

Das Verfahren steht und fällt mit den Daten. Reichen sie nicht, greift der Gutachter auf andere Daten oder Verfahren zurück (§ 6 Abs. 1 ImmoWertV).

Bodenrichtwert

Den Bodenwert ermittelt der Gutachter vorrangig im Vergleichswertverfahren; neben oder statt Vergleichspreisen kann er den angepassten Bodenrichtwert nutzen (§ 40 Abs. 1 und 2 ImmoWertV). Ob Erschließungsbeiträge offen sind, gehört zu den Merkmalen des Grundstücks.

Erschließungskosten erklärt

Mindestens fünf

Pfandbriefbanken dürfen sich bei Einfamilienhäusern nur am Vergleichswert orientieren, wenn aktuelle Vergleichspreise von mindestens fünf Objekten mit ähnlicher Wohnfläche vorliegen (§ 4 Abs. 2 BelWertV). Sonst bleibt die Orientierung am Sach- oder Ertragswert.

Beleihungswert erklärt

Sachwertverfahren

Für ein individuell gebautes Haus ohne passende Verkäufe kann der Gutachter mit Herstellungskosten und Bodenwert rechnen. Auch das Finanzamt weicht bei Ein- und Zweifamilienhäusern auf den Sachwert aus, wenn kein Vergleichswert vorliegt (§ 182 Abs. 4 BewG).

Sachwertverfahren erklärt

Ertragswertverfahren

Zählt vor allem die Miete, etwa beim Mehrfamilienhaus, rechnet der Gutachter mit Reinertrag und Liegenschaftszins. Steuerlich ist das für Mietwohngrundstücke vorgeschrieben (§ 182 Abs. 3 BewG).

Ertragswertverfahren erklärt
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VerwandteBegriffe.

Häufige Fragen

Fragen zu Vergleichs­wert­verfahren.

Kurz beantwortet.

0800 707 4000

Kaufpreise ähnlicher Objekte werden auf eine Bezugsgröße umgerechnet, etwa Euro je m², an Unterschiede angepasst und gemittelt. Mal Wohnfläche ergibt das den vorläufigen Vergleichswert; Besonderheiten wie Bauschäden kommen zuletzt (§ 24 ImmoWertV). Im Beispiel: 313.900 €.

Die ImmoWertV nennt keine feste Zahl, sie verlangt eine ausreichende Anzahl (§ 24 Abs. 1). Für die Beleihung von Einfamilienhäusern durch Pfandbriefbanken sind es mindestens fünf (§ 4 Abs. 2 BelWertV).

Für ein Gutachten nicht. Vergleichspreise sind Kaufpreise verkaufter Grundstücke (§ 25 ImmoWertV). Angebote zeigen nur, was Verkäufer verlangen, nicht, was gezahlt wurde.

Ein durchschnittlicher Wert je Bezugseinheit für ein Normobjekt, etwa Euro je m² Wohnfläche (Gebäudefaktor) oder ein Vielfaches des Jahresertrags (Ertragsfaktor). Ihn leitet der Gutachterausschuss aus Kaufpreisen ab (§ 20 ImmoWertV, § 193 Abs. 5 BauGB).

Bei berechtigtem Interesse, nach Maßgabe des jeweiligen Landesrechts (§ 195 Abs. 5 BauGB). Bodenrichtwerte dagegen kann jeder erfragen (§ 196 Abs. 3 BauGB).

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